Dokumentarfilm – Sehnsucht nach Perfektion

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Martín Aníbal Perino, geboren 1984 in Buenos Aires, hatte bereits im Alter von vier Jahren Klavierunterricht und stand mit zehn schon auf großen Konzertbühnen. Er galt einst als Wunderkind, eifrig gepusht von seiner Mutter, die ebenfalls Pianistin war. Er studierte Klavier in Argentinien bei Maestra Nélida Sánchez; große Namen in der Szene, darunter Virtú Maragno, Bruno Leonardo Gelber, Mathias Kellig, Alan Weiss oder Alexis Golovine betreuten ihn in seiner künstlerischen Werdung, sie alle formten ihn zu dem Mann, der zahllose Stipendien erhielt, mit 20 schon 300 Auftritte absolviert hatte und davon getrieben war, das Klavier mit absoluter Perfektion zu beherrschen.Dabei war alles eigentlich umgekehrt: Das Klavier beherrschte ihn. Es wurde zu einem Zwang, der Beste zu sein, der Druck stieg und stieg. Während der Arbeit an seiner ersten Komposition „La Flor“ erlitt Martín Perino einen schweren psychischen Zusammenbruch und bat um Einweisung in die psychiatrische Klinik El Borda in Buenos Aires. Später wurde bei ihm paranoide Schizophrenie diagnostiziert und er verbrachte fast vier Jahre in El Borda.Filmisch begleitetAb da trat Regisseur Artemio Benki in das Leben des Pianisten – er traf ihn in El Borda und beschloss, ihn auf seinem Weg zurück auf die Bühne filmisch zu begleiten. „Solo“ ist das dokumentarische oftmals schmerzhafte Resultat dieses Prozesses; der Film, der 2019 in Cannes uraufgeführt wurde, hat inzwischen unzählige Festivalteilnahmen hinter sich und wird am 1. Juni nun auch in Wien zu sehen sein, im Filmhauskino am Spittelberg. Zugleich kann „Solo“ aber auch im Angebot des Streaming-Dienstes VOD Club abgerufen werden.Benkis Anwesenheit hat Perino jedenfalls schnell aufgerichtet: Er begann mit der Arbeit an seiner zweiten Komposition „EnferMaria“ – ein Wortspiel aus den Worten „Krankenstation“ und „Maria“. Es ist ein komplexes Stück, das mit dem Prozess der Heilung in Verbindung steht. Hier geht der Dokumentarfilm ins Detail und zeigt, wie sehr die innere Welt mit der äußeren korreliert und was dieser Prozess für die Krankheit bedeutet. Maßgeblich ist auch Perinos Umfeld: So zählt die Tänzerin und Choreografin Sol, mit der er ein fast telepathisches Verständnis teilt, zu den wichtigsten Menschen in seiner Umgebung.“Solo“ ist auch ein Vermächtnis: Das von Regisseur Benki, der 2020 mit 53 Jahren nach langer Krankheit starb. Es bleibt seine große Sehnsucht nach der Ergründung von Leben, Schaffen und Perfektion, in diesem, seinem Langfilmdebüt „Solo“.

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