Marco Pogo – I bin’s, dei Präsident in spe

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Das Intro für sein Debüt als Comedian hat Dominik Wlazny alias Marco Pogo vorsorglich gleich einmal auch auf Englisch eingesprochen. Weil er nach den musikalischen Erfolgen (wie dem Amadeus Austrian Music Award Hard & Heavy 2016) auch auf der Kleinkunstbühne fest mit seinem internationalen Durchbruch rechnet. Und falls es doch nicht klappen sollte damit, hat er immer noch eine Hintertür offen: Der 35-Jährige will nämlich bei der kommenden Bundespräsidentschaftswahl kandidieren. Die entsprechenden Tagebucheinträge liest er in seinem Programm „Gschichtldrucker“ vor, staatstragend im weißem Jackett über dem Blondie-Leiberl und mit einer Hornbrille auf der Nase.

Letztere tauscht er gegen eine Sonnenbrille und legt das Jackett ab, wenn er aus dem Nähkästchen plaudert und Anekdoten aus seinem sehr unglamourösen Leben als Punkmusiker in einem altersschwachen Tourbus erzählt. Die „Gschichtln“ sind angeblich alle wirklich so passiert und werden auch mit Fotobeweisen belegt, klingen aber schon teilweise sehr absurd. Wobei die größte Diskrepanz fast jene ist, dass der Mann, der von sich behauptet, in der Schule „faul wie Sau“ gewesen zu sein, danach tatsächlich ein Medizinstudium abgeschlossen hat (wer schon einmal ein Medizinlehrbuch in der Hand hatte, weiß, was für Wälzer man da durchackern muss), bevor er sein Hobby Musik zum Beruf gemacht hat.

Pinkelnder Mafioso und Corona-Handysignatur

Im Blondie-Leiberl mit Sonnenbrille auf der Nase erzählt er, wie unglamourös das Leben als Punkmusiker ist. – © apa / Tobias SteinmauerDagegen sind seine anderen Erzählungen (auch nachzulesen im Buch „Gschichtn“, Seifert Verlag) wie jene über einen chinesischen Jungmafioso, der sein eigenes Auto anbrunzt, fast schon glaubwürdig. Insbesondere mit der von ihm geschilderte Behörden-Odyssee zur Handysignatur, die ihn in die Corona-Teststraße führt (ein bisschen kommt die Pandemie auch sonst vor), holt sich Marco Pogo die erwarteten lauten Lacher ab. Aber auch eine Afrika-Safari, die ihn auf eine typisch österreichische Geschäftsidee bringt, sorgt für Heiterkeit im Publikum.
Bei seinem Humor spielt Alkohol eine wichtige Rolle – was aber nur konsequent ist, wenn man eine Punkband namens Turbobier hat und sich für die Bierpartei (deren Gründer und Vorsitzender er seit 2015 ist) als Bezirksrat in Wien-Simmering politisch betätigt. Dabei kommt er bodenständig und authentisch rüber, manchmal recht bissig, aber sehr sympathisch. Starallüren sucht man bei ihm jedenfalls vergeblich.
Sollte man sein Bühnenprogramm in gewisser Weise auch als eine Art Wahlkampfveranstaltung fürs höchste Amt im Staat sehen, so lässt sich über Marco Pogo feststellen, dass er politisch wohl noch weiter links als der aktuelle Amtsinhaber steht – auch wenn er sich selbst als „sehr konservativ“ bezeichnet – und mit Turbobier sicher auf keinem ÖVP-Parteitag spielen würde, sich vor allem Sorgen um das Klima macht und sich kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um Kritik an der heimischen Corona-Politik und den Umgang mit Schwurblern oder Wladimir Putin geht. Da kann er sich auch richtig in Rage reden. Eines steht jedenfalls fest: Staatsbesuche mit einem Bundespräsidenten Marco Pogo wären sicher nicht langweilig.
Marco Pogo: Gschichtldrucker
Termine & Info: https://marcopogo.at/

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