neues Virus – Affenpocken geben Rätsel auf

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Anfang Mai wurde das Affenpocken-Virus erstmals in Großbritannien nachgewiesen. Laut WHO wurden bis 26. Mai insgesamt 257 bestätigte Fälle und 120 Verdachtsfälle aus 23 Staaten gemeldet, in denen das Virus nicht endemisch ist.

Die Affenpocken kommen in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo und in Nigeria endemisch vor. Als bedenklich gilt unter Experten die Tatsache, dass die Krankheit derzeit in verschiedenen Populationen und Ländern außerhalb dieser Staaten zugleich auftaucht und es keine augenscheinliche Verbindung zwischen den Clustern zu erkennen sei. Laut Experten könnten die Viren einen bisher unbekannten, lokalen Übertragungsweg nehmen.
„Wir müssen schnell und entschlossen reagieren, doch es gibt noch viel über dieses Virus zu lernen“, wird die Epidemiologin Anne Rimoin von der University of California in Los Angeles im Fachmagazin „Nature“ zitiert. Eine drängende Frage sei, wie es sich bis hier her verbreitet hat.
In den vergangenen Wochen wurden Viren-Genome von Erkrankten aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Portugal und den USA sequenziert. Alle genetischen Sequenzen ähneln dem westafrikanischen Strang, der normalerweise eher harmlos über die Bühne geht und an dem weniger als ein Prozent der Erkrankten sterben. Anders ist es bei der zentralafrikanischen Form, die für zehn Prozent der Infizierten tödlich verläuft, vor allem in ländlichen Regionen.
Aufgrund der Ähnlichkeit der bisherigen europäischen Viren-Sequenzen ließe sich annehmen, dass sie auf eine einzige Person zurückgehen könnten, die Westafrika besucht hat. Wären da nicht auch Gemeinsamkeiten mit Fällen außerhalb Afrikas aus den Jahren 2018 und 2019. Die einfachste Erklärung hierfür wäre wiederum, dass schon damals eine reisende Person sich über den Kontakt mit Nagetieren, unter denen die Affenpocken zirkulieren, angesteckt hat. Allerdings hätte dieser Kontakt auch noch früher erfolgen können und könnte das Virus daher schon länger hierzulande zirkulieren, gibt Virologe Gustavo Palacios von der Icahn School of Medicine in New York zu bedenken. Somit könne man kaum wissen, wie lange die Affenpocken schon hier sind.

Rätselhafte Verbreitung
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, das Affenpocken seit längerem außerhalb des üblichen Verbreitungsraumes vorkommen. „Die überwiegende Mehrheit der bisher gemeldeten Fälle hat keine nachweisliche Reiseverbindung zu einem endemischen Gebiet“, teilte die WHO mit. Das gleichzeitige, plötzliche Auftreten des Virus in mehreren Ländern lasse auf eine unentdeckte Übertragung über einen längeren Zeitraum schließen.
Ob eine genetische Veränderung des Erregers für die derzeitigen Fälle verantwortlich ist, ist derzeit nicht bekannt. „Ein Verständnis davon ist schwierig, Pockenviren-Genome sind rätselhaft“, sagt Virologe Elliot Lefkowitz von der University of Alabama in dem Fachartikel. Obwohl seit 17 Jahren bekannt ist, dass die die beiden Varianten sich unterscheiden, wisse man über die Gründe wenig. Schnelle Veränderungen, wie wir sie derzeit bei dem RNA-Erreger Sars-CoV-2 erleben, sind jedoch unwahrscheinlich. In DNA-Viren ergeben sich grundsätzlich weniger Mutationen. Außerdem ist das Pockenvirus etwa sechs Mal so groß wie Sars-CoV-2. „Es kann nicht so viel mit seinem Erbgut herumspielen“, sagt Virologe Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Aufgrund ihrer Größe lassen sich die Affenpocken laut Experten schwer sequenzieren. Und da sie bisher in westlichen Ländern keine Rolle spielten, sei vergleichsweise weniger Geld in diesbezügliche Forschungsinitiativen investiert worden, sagt Palacios: Man befinde sich im virologischen Blindflug, obwohl die Wissenschaft seit Jahren vor Ausbrüchen der Erkrankung warnt. „Um zu begreifen, wie die Affenpocken evolvieren, müsste man sie im Tier sequenzieren“, sagt er. Bekannt sei, dass Eichhörnchen und Ratten sich infizieren, das ursprüngliche Tierreservoir jedoch noch nicht.
Indes haben die USA mit der Ausgabe eines Impfstoffs der dänischen Firma Bavarian Nordic gegen die Affenpocken begonnen. In Österreich war am Montag weiterhin nur ein Fall bekannt. Die WHO bietet auf ihrer Lernplattform „openWHO“ Onlinekurse und die Möglichkeit zum Wissensaustausch zu den Affenpocken.(est)

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